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   25.03.16 15:40
    Schöne Geschichte, Elke.






Miss Piggy

Ich bin wieder in Vietnam angekommen.Nach 7 ½ Monaten Pause geht meine Arbeit im Endangered Primate Rescue Center in Cuc Phuong weiter.Der Empfang war schön. Obwohl ich in aller Frühe am Airport Hanoi ankam, waren drei meiner Tierpflegerinnen bereits da, um mich abzuholen. Mittags waren wir bereits in Cuc Phuong. Bin nach der Mittagspause gleich ins Affenzentrum. Zu neugierig war ich, wie es jetzt nach der langen Zeit so aussehen würde.Und wie es immer so ist, wenn man lange Zeit weg war, springen einem immer Dinge ins Auge, die man am liebsten sofort angehen würde.Eines dieser Dinge war unser Affenkindergarten. Wir haben noch drei kleinere Affenbabys, die noch nicht in den Kindergarten integriert sind. Und es gestaltet sich auch nicht ganz so einfach, weil im Kindergarten noch zu viele schon recht große Affen sind, die gar nicht mehr im Kindergarten sein müssten, sondern raus in einen normalen Käfig könnten.So war da zum Beispiel Miss Piggy, ein weiblicher Grauer Langur. Als sie damals im November 2014 zu uns kam, war sie gerade mal etwa eine Woche alt. Aber nun mit über 3 ½ Jahren ist sie alt genug, um auszuziehen. Wir haben im Center einen Käfig mit vier erwachsenen Grauen Kleideraffen, alles Weibchen. Dort sollte sie nun einziehen.Samstag war es dann so weit. Die allerwichsten Dinge waren erledigt, so hatten wir Ruhe und Muße, die Umsetzung anzugehen.Die kleine Hue und ich wollen Piggy in die Kiste locken und sie dann in ihren neuen Käfig tragen. Zwei der vier Languren aus dem zukünftigen Käfig hatten wir schon einen Tag zuvor im Absperrkäfig separiert, um zu verhindern, dass sie stänkern.Klar war uns nur och nicht, wie wir Piggy in die Box kriegen würden. Wir wollten sie nicht mit Netz fangen, um ihr nicht noch mehr Stress als nötig zu machen. Also versuchte Hue sie mit Stückchen von Süßkartoffel in die Box zu locken. Doch dann kam es ganz anders. Denn als sie mich sah, schien sie sich plötzlich früher zu erinnern. Und so sprang sie mir auf den Arm und wollte geknuddelt werden. Also hielt ich sie gut fest und ging ganz langsam in die Hocke, ...und schließlich schob ich sie einfach in die Kiste rein. Hue und ich mussten danach herzlich lachen, weil es ganz anders kam, als wir gedacht hätten.Also brachten wir sie nun in der Box in den neuen Käfig. Stellten die Box drinnen ab und gaben den beiden Languren im Käfig die Chance erstmal zu gucken. Alles schien friedlich, also machten wir nach ein paar Minuten auf und sie kam heraus. Klar, dass sie verwundert und unsicher war. Hatte sie doch in ihrem ganzen Leben bislang nur Kleideraffen als Freunde gehabt und noch nie einen anderen ihrer Art bewusst gesehen.Also suchte sie Schutz und Unterstützung bei uns....und sprang erstmal wieder auf meinen Schoß. Bloß blöd, dass sie voller Kacke war, weil sie beim Transport in der Kiste schmutzig geworden ist. In Hues Gesicht konnte man klar sehen, dass sie fürchtete Piggy könnte auch sie anspringen und mit Kacke vollschmieren. Ich konnte ja im Anschluss sofort duschen gehen und Klamotten wechseln, aber die Pfleger hauen ja gewöhnlich nicht während der Arbeitszeit einfach ab, um nach Hause zu fahren.Klar war Piggy anfangs unsicher. Aber eigentlich war es nicht schlecht.Mittags drückte sich eins der abgesperrten Langurenmädels durch den Schieber hindurch. Und die versuchte auch gleich, ein bisschen mit Piggy zu stänkern. Aber da erhielt Piggy Unterstützung von einem anderen Weibchen. Und zwar ausgerechnet von jenem Langurenweibchen, die sonst im Käfig die Rangniedrigste ist. Das war schon echt interessant zu beobachten.Als dann über Nacht alles okay war und wir auch sahen, dass Piggy nun anfing, Laub zu fressen, ließen wir am nächsten Tag auch noch das letzte Tier, was noch im Absperrkäfig saß, hinzu.Nun sind alle zusammen. Schön.
10.7.18 05:39


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Wenn der Zirkus nach Cuc Phuong kommt

Gestern war es endlich wieder so weit, ein Wander-Zirkus kam in unser kleines Cuc Phuong.Als ich nach der Arbeit heim bin, hab ich in der Ferne schon Musik und Lautsprecherdurchsagen vernommen und dachte so bei mir: Wenn das mal kein Zirkus ist. Doch irgendwie geriet es wieder in Vergessenheit, weil schon sooo lange (etwa 6 Jahre) kein Zirkus mehr in Cuc Phuong war.Und als ich dann abends beim Füttern von Affen- und Ziegenbaby war, riefen meine Keeper an, sagten der Zirkus ist da, sie holen mich jetzt gleich ab.Also los, nach Hause, gute Kamera geschnappt. Und auf nach Bai Ca, wo das Fußballfeld und das kleine Kulturhaus ist.Die Straße war schon gefüllt mit Familien auf Motorrädern. Aber es gab wie immer auch genügend Dorfpolizisten, die für Ordnung sorgten. Kurz nach 20 Uhr gings los. Meine Freunde waren natürlich happy, dass ich ihnen die Tickets sponsorte. (Ewachsene 40 000,- und Kids 20 000,- VND, was für die einfachen Dörfler hier schon ne Menge Geld ist.) Das Witzigste war aber, eine Weile nach dem die Veranstaltung schon lief, machten sie dann das Tor für alle auf. Jeder, der wollte konnte kostenlos rein. Und das nutzten sogar einige gleich mit ihrem Motorroller in den Zirkus reinzufahren. Das ist gar keine so dumme Idee, denn dann hat man nämlich in einem Steh-Zirkus sogar einen Sitzplatz.Die Vorstellung an sich war recht vietnamesisch. Ich bezweifel, dass es so etwas noch irgendwo anders auf dieser Welt gibt.Den Anfang machte ein dressierter Rhesusaffe mit kupiertem Schwanz. Er konnte so allerhand Kunststücke vorführen ( Fahrrad fahren, Reis stampfen, am Reck Vorwärts- und Rückwärtsrollen machen,..) Eben ein sehr gelehriges Tier.Dann wurden vier freiwillige Jungs gesucht, die auf die Bühne kommen sollten. Also 4 Cuc Phuong Kids, hoch erfreut und aufgeregt, klettern auf die Bühne, sollen die Arme einander um die Schultern legen. Wird bissel gewitzelt, dass das recht schwul aussieht. Dann die Augen fest schließen. Und dann kommt von hinten jemand mit einer großen Python, die den Jungs auf die Schultern gelegt wird.Klar, waren ein paar ein bisschen ängstlich, aber eigentlich haben sie es ganz gut gemacht. Aber der Dompteur musste dann weiter mahen und den Kids den Kopf der Python ganz dicht vor ihre Gesichter halten bzw in ihre Hosenbunde stecken. Naja.Dann kam eine hübsche Frau in kurzem Glitzerkleid, die ein bisschen mit Feuer spielte. War zwar recht hübsch für einen Zirkus in Cuc Phuong, wohl aber kaum vergleichbar mit der Feuershow im Singapore Zoo.Dann kam noch eine Tierdressur, zwei Hunde, die durch irgendwelche Reifen sprangen und sich gegenseitig in einem Wägelchen über die Bühne schoben.Und dann kam ein Pop-Sänger, gut aussehend und mit lauter Stimme, der irgendein bekanntes Lied schmetterte Im Anschluss an seinen Song fragte er das Publikum, ob wir bei Facebook sind. Und meinte wir sollten uns alle mit ihm über Facebook verbinden und in Kontakt bleiben. Zu schön um wahr zu sein, einen bekannten Pop-Sänger als Facebookfreund zu haben. Leider hab bereits seinen Namen vergessen, und unglücklicherweise haben meine Keeper auch bereits seinen Namen vergessen.Aber das allerkrasseste kam dann. Und dabei fing es recht harmlos an. Derselbe Typ, der die Pythonnummer aufgeführt hat, kam wieder auf die Bühne und mit ihm der Ansager/ Direktor. Letzterer wollte dem Artisten 4 Nägel in den Körper einschlagen. Also hat der die Muskeln angespannt und der Direktor stach ihm die 4 Nadeln/ Nägel in die Haut (je eine in jeden Oberarm und zwei weiter in den oberen Rücken). Es floss ein klitzekleines bisschen Blut.Aber das war längst noch nicht alles: Nun nahm der Direktor einen Metallhaken, so eine Art Angelhaken und befestigte ihn am Hals des Artisten. Nun hing also dieser Angelhaken am Hals befestigt und an diesem Haken befand sich noch ein langer Strick. Das sah schon unschön aus. Doch dann wurde an diesem Strick noch eine hundeschwere asiatische Pflanzschale/ eine Art Keramik Blumentopf befestigt. Jeder hier kennt diese Dinger und weiß wie schwer sie sind.Der Artist hat sich dann aufgerichtet, den Topf an dem Strick von seinem im Hals befestigten Haken hängend. Eigentlich sah es nur widerlich aus, und viele Zuschauer konnten und wollten nicht hingucken, denn es war auch widerlich.Doch dann war plötzlich klar, was dies Nummer bezweckte. Im Hintergrund wurde ein bekanntes Lied gespielt. Dieses Lied wurde vor fünf Jahren plötzlich superpopulär. Es wurde ursprünglich von einem mongolischen Jungen, der ohne seine Eltern aufwachsen musste, in „Chinas got Talent Show“ vorgetragen und hat seither Tausende zu Tränen gerührt. Davon gibt es auch eine Vietnamesische Version, die nun im Hintergrund gespielt wurde. Der Ansager erzählte über die Härten des Lebens, dass dieser Artist auch Waise ist und er für seine beiden jüngeren Geschwister sorgen muss, die beide gelähmt sind. Aber mit viel Schweiß und Tränen kann man es zu etwas bringen und sein Leben bestreiten. Und dann liefen die Zwei durchs Publikum und baten die Zuschauer um Spenden. Vornweg der Direktor mit Spendenschale, hinterher der Artist mit dem Angelhaken in der Halshaut an dem der Strick mit dem Pflanztopf runterhing. Beide machten dabei ein recht erbärmliches Gesicht.Hab keine Ahnung wieviel an Spenden bei solch einer Veranstaltung zusammenkommen mögen, schließlich sind sie fast 15 Minuten durch die Zuschauer gelaufen.Aber diese Art um Geld zu bitten scheint in Vietnamesischen Wanderzirkussen Tradition zu haben. Ich erinnere mich noch gut an den Zirkus, der vor 6 Jahren nach Cuc Phuong kam. Plötzlich trat ein Liliput-Mensch auf die Bühne und sang ein oder zwei Lieder. Er sang wirklich schön. Doch danach kam eine lange Ansage, dass wir behinderte Menschen im Leben unterstützen müssen und wie schwer sie es doch haben. Und danach wurde eben Geld gesammelt. Und damals, kam fast jeder Zuschauer einzeln nach vorn, um Geld in die Spendenschale des Liliput zu werfen.Nach dieser gruseligen Einlage kam noch ein Zaubertrick mit einem Seil, den der Direktor persönlich vorführte.Und dann war auch schon fast Schluss.Es wurde das Tor geöffnet, ...und ein Vogel Strauß reingeschoben.Als der dann widerwillig unterhalb der Bühne stand und und von drei Leuten festgehalten wurde, hatten die Zuschauerkids die Möglichkeit sich draufsetzen zu lassen.Es war weit entfernt von dem , was man sich so unter Straußenreiten vorstellt, weil das Draufsitzen nur wenige Sekunden dauerte, gerade mal so viel, dass man vielleicht ein schnelles Foto machen konnte.Und dann gegen 21.30 Uhr war der Zirkus auch schon wieder vorbei. Die Dorfpolizisten wachten noch darüber, dass alle geordnet den Heimweg antraten.Na dann, bis zum nächsten Mal in ein paar Jahren.
8.9.17 02:52


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