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   25.03.16 15:40
    Schöne Geschichte, Elke.






CRASH BOOM BANG oder Von Einem der auszog, ein vietnamesisches Dorfkrankenhaus kennenzulernen

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die kann man nicht erklären. Die versteht sowieso keiner. Dinge, bei denen jeder, der kein ADHS hat, von vornherein sagt, dass das schief geht. So etwas ist gerade wiedermal passiert und hat mir auch eine Erfahrung beschert, die ich in all meinen Jahren noch nicht hatte. So kurz vor meinem Trip ins medizinisch gut versorgte Deutschland durfte ich letzten Samstag ein vietnamesisches Dorfkrankenhaus von innen kennenlernen und mich dort auch gleich noch zusammenflicken lassen. Klar hätte ich mir das auch noch die drei Tage bis Deutschland aussparen können, dann dort eine örtliche Betäubung gekriegt und auch einen sterilen Faden. Aber die Erfahrung wäre nun mal nicht dieselbe gewesen. Doch nun der Reihe nach. Da ich wusste, dass ch vor meinem Abflug nach Deutschland vermutlich wieder so ziemlich bis zur letzten Minute arbeiten würde, habe ich mir Samstag nachmittag unsere Pflegerin Nga für eine halbe Stunde borgen wollen, um mit ihr gemeinsam ein paar Handgriffe ums Haus zu erledigen. Wir hatten noch gar nicht richtig angefangen, als mir in den Sinn kam, das große Glasterrarium, in dem ich bis vor kurzem noch meine Ratten aufgezogen habe, ins Zimmer reinzutragen. Hatte aber vergessen, dass ich gerade einen Moment vorher die TerrariumAbdeckung reingebracht hatte und einfach auf dem Boden kurz hinter der Zimmertür platziert hatte. Andere Leute mit ADHS können das eventuell nachvollziehen, die Mehrheit der Menschheit vermutlich eher nicht. Nun gut, also hab ich auch noch das große Glasterrarium zur Tür reingeschleppt, wobei ich natürlich bereits vergessen hatte, dass die Abdeckung genau vor mir auf dem Boden lag und mir praktisch den Weg versperrte zum Tisch, wo ich das Terrarium abstellen wollte. Wie sollte es auch anders sein, natürlich stolperte ich. und noch ehe ich mich versah, fiel ich mit jenem großen Terrarium in der hand, vorn über. Das Glas schlug auf Stuhl und Tischkante auf, zersplitterte und schepperte zu Boden und ich fiel natürlich hinterher und mitttenrein. Der Riesenschreck war das Eine. Aber wir wollten ja eigentlich nur schnell ein paar Handgriffe machen. Und nun waren überall auch noch Scherben... Und Blut, Blut, Blut... Nga rief gleich, du musst zum Nähen gehen. Also hab ich mich auf den Schreck erstmal hingesetzt und ne Flasche Wasser leergetrunken. Nga rief unsere kleine Hien and sagte, sie solle SCHNELL kommen. Für diieses SCHNELL brauchte sie gefühlte 15 Minuten mit Motorrad, eine Strecke die ich normalerweise in weniger als zwei Minuten laufe. Wenn meine Keeper sich auf Arbeit verletzen, versuche ich meistens die erste Hilfe zu übernehmen, weil ich von vietnamesischen Erste-Hilfe-Maßnahmen wie Laub zerkauen und auf die Wunde legen etc. nicht ganz so überzeugt und begeistert bin. Aber dieses Mal kam eben Nga mit ihrer erste Hilfe an. Musste mich schon ziemlich wehren, dass sie mir nicht irgendeinen angeschmuddelten Lappen auf die Wunde drückt. Hab lieber die blutenden Stellen selbst unter kaltes Wasser gehalten. Und dann als endlich auch Hien kam, mir mal die größeren Verletzungen angeguckt,...und mich letztendlich überzeugen lassen, doch irgendwohin zum Nähen zu fahren. DAs ist aber hier auf dem Lande Samstag Nachmittag nicht ganz so einfach. Wir haben zwar eine Krankenstation gegenüber unseres Marktes am Rande von Cuc Phuong, die auch von außen recht nett aussieht. Abet wenn man dann doch etwas braucht, sieht es schon anders aus. verschlafen kam der Doc nach etlichem Rufen die Treppe hinunter und zog sich erstmal sein Hemd an. Um uns zu sagen, er könne das hier nicht nähen , er habe nur zu dickes Garn. Also weiter. Aufm Motorrad noch zwei drei Kilometer weitergefahren, zur nächstgrößeren Krankenstation der Bergregion (das sagt schon viel aus, steht aber wirklich auf dem Schild draußen drauf). Die Ärztin oder Schwester oder was es auch immer war, sagte sofort ja, es muss genäht werden. Aber nun kamen eigentlich erst die eigentlichen Probleme. Jeder, der mich auch nur etwas kennt, weiß dass ich weder still sitzen noch entspannen kann , wenn kein Tier in der Nähe ist. Sitzen geht noch eher als liegen. Sie meinte aber sie können meinen Hals nur nähen, wenn ich liege, es wäre eh schon kompliziert genug. Gut , dass Nga und Hien bei mir waren. Sie kennen mich gut über die Jahre und konnten auch kommunizieren, dass es mir unmöglich ist entspannt und still zu sitzen. Ich habe zudem auch noch abgelehnt, jegliche Medikamente zu nehmen, da es den Vietnamesen einfach nicht interessiert, ob es irgendwelche Wechselwirkungen mit meinen Medikamenten, die ich täglich nehme, geben könnte. Auch das rief ziemliches Unverständnis hervor. Ich sehe ja ein, warum Antibiotika nötig gewesen wären. Nicht wegen dem Glas, was vorher mit meinen Rattenviechern in Berührung kam sondern auch wegen dem unstetigen Faden und Nadel. Dafür hat man mir aber eben bisschen mehr reinen Alkohol über die Wunden gegossen. Das brennt dann so, dass das Nähen ohne Lokalanästhesie fast nur noch Nebensache ist. Wie gesagt, zum Nähen am Hals wurde ich gezwungen, mich hinzulegen. Meine Freunde wissen um mein Tourettes. Dass es praktisch nur zwei Menschen auf dieser Erde gibt die mir z.B. Haare schneiden können, ohne all zu of ins Ohr zu schneiden. Wie gesagt, Tourettes scheint in Vietnam einfach nicht bekannt zu sein. Also musste ich versuchen kurzzeitig still zu halten, um nicht zu riskieren, dass sie mir versehentlich die Nadel noch in die Halsschlagader rammt. Aber es hat geklappt. Zum Nähen in der Armbeuge durfte ich mich glücklicherweise hinsetzen. Es wurde eigentlich Nga verboten, Fotos von der Aktion zu machen, da die Ärztin meinte, sie würde sonst Ärger kriegen, weil sie nicht ihren Kittel an hat sondern das Privat T Shirt. Ach so??? Na dann. Irgendwann waren wir fertig. Der Spaß kostete 150 000VND. Da weder wir noch die Krankenstation Wechselgeld hatte, habe wir 200 000 VND, klingt erstmall viel, sind aber nur etwa 7 Euro. So viel Spaß für wenig Geld. Dennoch Resümee des Tages: am Ende des Tages mehr Arbeit als zuvor, da noch all die vielen Glasscherben und Verschmutzungen hinzukamen, aber mindestens zwei Stunden verloren waren. Und mir abends alles so schmerzte, dass ich mich am liebsten gar nicht mehr bewegt hätte. Nun gut, morgen fliege ich nach Deutschland. Kann mir ja dann dort die Fäden ziehen lassen. Dieses dicke weiße Nähgarn, was die verwendet haben, zersetzt sich in den nächsten 100 Jahren nicht von allein. Ich freue mich auf alle, die sich in Deutschland schon auf mich freuen. Bis in Kürze Eco
19.11.18 08:49


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CRASH BOOM BANG oder Von Einem der auszog, ein vietnamesisches Dorfkrankenhaus kennenzulernen

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die kann man nicht erklären. Die versteht sowieso keiner. Dinge, bei denen jeder, der kein ADHS hat, von vornherein sagt, dass das schief geht.So etwas ist gerade wiedermal passiert und hat mir auch eine Erfahrung beschert, die ich in all meinen Jahren noch nicht hatte.So kurz vor meinem Trip ins medizinisch gut versorgte Deutschland durfte ich letzten Samstag ein vietnamesisches Dorfkrankenhaus von innen kennenlernen und mich dort auch gleich noch zusammenflicken lassen. Klar hätte ich mir das auch noch die drei Tage bis Deutschland aussparen können, dann dort eine örtliche Betäubung gekriegt und auch einen sterilen Faden. Aber die Erfahrung wäre nun mal nicht dieselbe gewesen.Doch nun der Reihe nach. Da ich wusste, dass ch vor meinem Abflug nach Deutschland vermutlich wieder so ziemlich bis zur letzten Minute arbeiten würde, habe ich mir Samstag nachmittag unsere Pflegerin Nga für eine halbe Stunde borgen wollen, um mit ihr gemeinsam ein paar Handgriffe ums Haus zu erledigen. Wir hatten noch gar nicht richtig angefangen, als mir in den Sinn kam, das große Glasterrarium, in dem ich bis vor kurzem noch meine Ratten aufgezogen habe, ins Zimmer reinzutragen. Hatte aber vergessen, dass ich gerade einen Moment vorher die TerrariumAbdeckung reingebracht hatte und einfach auf dem Boden kurz hinter der Zimmertür platziert hatte. Andere Leute mit ADHS können das eventuell nachvollziehen, die Mehrheit der Menschheit vermutlich eher nicht. Nun gut, also hab ich auch noch das große Glasterrarium zur Tür reingeschleppt, wobei ich natürlich bereits vergessen hatte, dass die Abdeckung genau vor mir auf dem Boden lag und mir praktisch den Weg versperrte zum Tisch, wo ich das Terrarium abstellen wollte. Wie sollte es auch anders sein, natürlich stolperte ich. und noch ehe ich mich versah, fiel ich mit jenem großen Terrarium in der hand, vorn über. Das Glas schlug auf Stuhl und Tischkante auf, zersplitterte und schepperte zu Boden und ich fiel natürlich hinterher und mitttenrein. Der Riesenschreck war das Eine. Aber wir wollten ja eigentlich nur schnell ein paar Handgriffe machen. Und nun waren überall auch noch Scherben... Und Blut, Blut, Blut... Nga rief gleich, du musst zum Nähen gehen. Also hab ich mich auf den Schreck erstmal hingesetzt und ne Flasche Wasser leergetrunken. Nga rief unsere kleine Hien and sagte, sie solle SCHNELL kommen. Für diieses SCHNELL brauchte sie gefühlte 15 Minuten mit Motorrad, eine Strecke die ich normalerweise in weniger als zwei Minuten laufe.Wenn meine Keeper sich auf Arbeit verletzen, versuche ich meistens die erste Hilfe zu übernehmen, weil ich von vietnamesischen Erste-Hilfe-Maßnahmen wie Laub zerkauen und auf die Wunde legen etc. nicht ganz so überzeugt und begeistert bin. Aber dieses Mal kam eben Nga mit ihrer erste Hilfe an. Musste mich schon ziemlich wehren, dass sie mir nicht irgendeinen angeschmuddelten Lappen auf die Wunde drückt. Hab lieber die blutenden Stellen selbst unter kaltes Wasser gehalten. Und dann als endlich auch Hien kam, mir mal die größeren Verletzungen angeguckt,...und mich letztendlich überzeugen lassen, doch irgendwohin zum Nähen zu fahren. DAs ist aber hier auf dem Lande Samstag Nachmittag nicht ganz so einfach. Wir haben zwar eine Krankenstation gegenüber unseres Marktes am Rande von Cuc Phuong, die auch von außen recht nett aussieht. Abet wenn man dann doch etwas braucht, sieht es schon anders aus. verschlafen kam der Doc nach etlichem Rufen die Treppe hinunter und zog sich erstmal sein Hemd an. Um uns zu sagen, er könne das hier nicht nähen , er habe nur zu dickes Garn. Also weiter. Aufm Motorrad noch zwei drei Kilometer weitergefahren, zur nächstgrößeren Krankenstation der Bergregion (das sagt schon viel aus, steht aber wirklich auf dem Schild draußen drauf). Die Ärztin oder Schwester oder was es auch immer war, sagte sofort ja, es muss genäht werden.Aber nun kamen eigentlich erst die eigentlichen Probleme. Jeder, der mich auch nur etwas kennt, weiß dass ich weder still sitzen noch entspannen kann , wenn kein Tier in der Nähe ist. Sitzen geht noch eher als liegen. Sie meinte aber sie können meinen Hals nur nähen, wenn ich liege, es wäre eh schon kompliziert genug. Gut , dass Nga und Hien bei mir waren. Sie kennen mich gut über die Jahre und konnten auch kommunizieren, dass es mir unmöglich ist entspannt und still zu sitzen. Ich habe zudem auch noch abgelehnt, jegliche Medikamente zu nehmen, da es den Vietnamesen einfach nicht interessiert, ob es irgendwelche Wechselwirkungen mit meinen Medikamenten, die ich täglich nehme, geben könnte. Auch das rief ziemliches Unverständnis hervor. Ich sehe ja ein, warum Antibiotika nötig gewesen wären. Nicht wegen dem Glas, was vorher mit meinen Rattenviechern in Berührung kam sondern auch wegen dem unstetigen Faden und Nadel. Dafür hat man mir aber eben bisschen mehr reinen Alkohol über die Wunden gegossen. Das brennt dann so, dass das Nähen ohne Lokalanästhesie fast nur noch Nebensache ist.Wie gesagt, zum Nähen am Hals wurde ich gezwungen, mich hinzulegen. Meine Freunde wissen um mein Tourettes. Dass es praktisch nur zwei Menschen auf dieser Erde gibt die mir z.B. Haare schneiden können, ohne all zu of ins Ohr zu schneiden. Wie gesagt, Tourettes scheint in Vietnam einfach nicht bekannt zu sein. Also musste ich versuchen kurzzeitig still zu halten, um nicht zu riskieren, dass sie mir versehentlich die Nadel noch in die Halsschlagader rammt. Aber es hat geklappt.Zum Nähen in der Armbeuge durfte ich mich glücklicherweise hinsetzen. Es wurde eigentlich Nga verboten, Fotos von der Aktion zu machen, da die Ärztin meinte, sie würde sonst Ärger kriegen, weil sie nicht ihren Kittel an hat sondern das Privat T Shirt. Ach so??? Na dann. Irgendwann waren wir fertig. Der Spaß kostete 150 000VND. Da weder wir noch die Krankenstation Wechselgeld hatte, habe wir 200 000 VND, klingt erstmall viel, sind aber nur etwa 7 Euro. So viel Spaß für wenig Geld.Dennoch Resümee des Tages: am Ende des Tages mehr Arbeit als zuvor, da noch all die vielen Glasscherben und Verschmutzungen hinzukamen, aber mindestens zwei Stunden verloren waren. Und mir abends alles so schmerzte, dass ich mich am liebsten gar nicht mehr bewegt hätte.Nun gut, morgen fliege ich nach Deutschland. Kann mir ja dann dort die Fäden ziehen lassen. Dieses dicke weiße Nähgarn, was die verwendet haben, zersetzt sich in den nächsten 100 Jahren nicht von allein.Ich freue mich auf alle, die sich in Deutschland schon auf mich freuen. Bis in Kürze Eco
19.11.18 08:47


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